weltwärts

Junge Erwachsene bis 28 Jahre können sich für einen 6- bis 24-monatigen entwicklungspolitischen Freiwilligeneinsatz in Afrika, Asien, Lateinamerika oder Osteuropa bewerben. 2008 sind 2257 Freiwillige ausgereist, langfristig sind bei jährlichen Ausgaben von 70 Mio. Euro bis zu 10.000 Stellen pro Jahr geplant. Detaillierte Informationen über Einsatzstellen, Finanzierung etc. finden sich auf der Website des "weltwärts"-Programms www.weltwärts.de

Einige von NRO, u.a. VENRO, erhobene Kritikpunkte an dem Programm finden sich nachfolgend.

Kritik an weltwärts

1. Die angestrebte Zahl von 10.000 Jugendlichen im Jahr ist extrem hoch. Wer soll das bewältigen? Wozu eine so große Anzahl?

2. Ist die Arbeitsbelastung der Entsendeorganisationen ohnehin bereits nicht gering, so ist die Frage, welche Arbeit und Mühe auf die Aufnahmeorganisationen im Süden zukommt, völlig ungeklärt. Die Gefahr besteht, dass deutsche NRO den Freiwilligendienst nutzen, ohne in ausreichendem Maße von die Wünsche, Bedürfnisse und Kapazitäten der Organisationen vor Ort zu berücksichtigen.

3. Wieder ist nur daran gedacht, Deutsche in die Welt zu senden - es wird gefordert, auch umgekehrt Menschen aus dem Süden für einen Einsatz hier im Norden einzuladen

4. Der ded ist für die technische Umsetzung des Programms beauftragt. Der ded hat allerdings vor, selbst bis zu 1.000 Personen zu entsenden, es bestehen also erhebliche Interessensüberschneidungen.

5. Für die Auswahl der Partnerorganisationen und der Freiwilligen sowie für die Vorbereitung existieren keine klaren Kriterien oder Qualitätsstandards.

Vor einigen Monaten hatte VENRO ein 10-Punkte Papier zum beabsichtigten Freiwilligendienst verabschiedet. Die Kritikpunkte sind im Wesentlichen nach wie vor aktuell. Dazu gehören:

- 75% Förderung pro Freiwilligen und Monat reichen nicht aus, 90% sind notwendig, um insbesondere kleinen Organisationen die Partizipation an diesem Programm zu ermöglichen und das geforderte hohe qualitative Niveau der Vor- und Nachbereitung und Begleitung gewährleisten zu können.

- Das technische Sekretariat ist nicht bei einer NRO, sondern beim ded angesiedelt und entfaltet dabei offenbar sichtliche Definitionsmacht.

- Es gibt bis dato weder Reverse-Programm noch Sandwich-Konzept (Inland-Ausland-Inland).

- Die Bezeichnung "Lerndienst" hat keinen Eingang in die Formulierungen des BMZ gefunden.

- Wie eine Überforderung der Südpartner ausgeschlossen werden soll, wenn schon die Nordpartner es sind, ist rätselhaft.

Venro-Pressemitteilung-weltwärts

Die Organisation EIRENE sagte, es sei wichtig, auf eine notwendige Qualität in der Vorbereitung, der Begleitung und der Reintegration der jungen Erwachsenen zu achten. "So klingt die Zahl von 10.000 Freiwilligen zwar sehr imposant, aber die Sicherung der Qualität des Programms muss vor der Quantität stehen. Sonst kann der Einsatz von Freiwilligen auf Kosten der Menschen in den Entwicklungsländern gehen".

Eirene bedauert, dass nach der Rückkehr der Freiwilligen kein Geld für Bildungsarbeit in Deutschland vorgesehen sei. Damit könne das Potenzial an Erfahrungen nicht angemessen genutzt werden.