Gedenken an Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân

Die Initiative zum Gedenken an Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân sowie zahlreiche Organisationen, darunter auch das Eine Welt Netzwerk Hamburg fordern die Umbenennung der Hamburger Halskestraße. Dort wurden die beiden Vietnamesen Opfer eines rassistisch motivierten Brandanschlags. Dieser jährt sich im August 2015 zum 35. Mal. Verübt wurde der Anschlag auf die Flüchtlingsunterkunft in der Hamburger Halskestraße in der Nacht zum 22. August 1980 von zwei Mitgliedern der terroristischen Neonazigruppe „Deutsche Aktionsgruppen“. Bis heute erinnert in Hamburg nichts an den Tod von Đỗ Anh Lân und Nguyễn Ngọc Châu.

Die ehemalige Flüchtlingsunterkunft ist inzwischen ein Hotel. Die Initiative freut sich über weitere Unterstützer_innen, die den Aufruf unterzeichnen. Außerdem fordert sie neben der Straßenumbenennung auch die entsprechende Umbenennung der Bushaltestelle am Tatort sowie eine fest installierte Gedenktafel, die die Ereignisse dokumentiert und an die beiden Opfer erinnert. “Die Taten gelten als die ersten dokumentierten rassistisch motivierten Morde nach 1945, auch wenn es sicher eine Dunkelziffer zwischen 1945 und 1980 gibt”, sagt der Politikwissenschaftler Kien Nghi Ha.

Aus dem Aufruf: “Im August 2014 fand erstmals eine Gedenkkundgebung in der Halskestraße statt. Es wurde eine Gedenktafel errichtet, verbunden mit der Forderung, die Erinnerung an den Mordanschlag wieder ins städtische Gedächtnis zu rufen und eine angemessene und dauerhafte Form des öffentlichen Gedenkens an die Opfer zu finden. Das Hotelmanagement ließ die Tafel innerhalb weniger Stunden entfernen.

Damit wollen wir es aber nicht enden lassen. Deshalb hat sich im Anschluss an die Gedenkkundgebung die Initiative für ein Gedenken an Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân gegründet. Wir wollen erreichen, dass diese jahrzehntelang unbeachteten und verdrängten Morde als Teil der Hamburger Geschichte öffentlich wahrgenommen und anerkannt werden und die Erinnerung daran gewahrt wird. Dafür muss eine dauerhafte, sichtbare Form im öffentlichen Raum gefunden werden.

Warum sind das Gedenken und die Erinnerung wichtig? In der Auseinandersetzung um die Erinnerung an die Opfer rassistischer Morde gilt es, Position zu den Taten zu beziehen und Solidarität gegenüber den Opfern und ihren Angehörigen zu zeigen. Vergessen bedeutet in diesem Fall, die Taten durch Desinteresse zu dulden. Sich erinnern heißt, die Voraussetzung dafür zu verbessern, Neonazismus und Neonazis zu ächten. Sich erinnern heißt auch, die rassistischen Grundströmungen zu bekämpfen, die gesellschaftlich und institutionell wirksam sind.

Rassistische Gewalt ist allgegenwärtig. Angesichts der hohen Zahl der durch Neonazis verübten Morde im gesamten Bundesgebiet ist die Erinnerung daran erschreckend wenig präsent. Die wenigen Straßenumbenennungen, Denkmäler oder Gedenktafeln, die es gibt, wurden oft gegen große Widerstände durchgesetzt. Häufig entsprechen sie nicht den Wünschen der Angehörigen oder sind in der Form und inhaltlichen Aussage unbefriedigend. Wir wollen keine institutionalisierte Erinnerungskultur, die jegliche Verantwortung von sich weist. Wir werden staatliche Institutionen jedoch auch nicht aus der Verantwortung für die Geschichte entlassen.

Sich erinnern heißt, die Opfer aus der Anonymität der Tat zu reißen, ihnen wieder Namen und Gesichter zu geben und ihre Geschichten zu erzählen.”

Weitere Unterzeichner_innen können sich hier eintragen:
https://inihalskestrasse.blackblogs.org/category/startseite