VENRO: Fünf Trends zur Zukunft von Nichtregierungsorganisationen

Mehr denn je stehen Nichtregierungsorganisationen heute vor der Herausforderung, eigene Strategien zu hinterfragen und sich auf neue Aufgaben einzustellen. Für VENRO hat Jana Rosenboom Trends für die Arbeit deutscher NRO zusammengestellt und weisen auf damit zusammenhängende Chancen und Risiken hin. Das komplette Diskussionspapier mit den ausführlichen Darstellungen der Fallbeispiele können Sie hier herunterladen.

Armutsbekämpfung kann heute nicht mehr alleiniges Ziel von entwicklungspolitischen NRO sein – so das Fazit einer Umfrage von VENRO, wie Vorstände, Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer sowie Programmverantwortliche ihre Organisation in die Zukunft führen. Die Ergebnisse sind in dem Diskussionspapier „Politischer, flexibler, krisenfester“ zusammengefasst. Zusätzlich beschreiben fünf VENRO-Mitgliedsorganisationen exemplarisch, wie sie und ihre Partnerorganisationen auf diese Herausforderungen reagieren.

Das sind die fünf zentralen Trends, die Sie kennen sollten:

1. Shrinking Spaces – Partner im Süden unter Druck

Zunehmend erlassen Staaten überall auf der Welt Gesetze und bürokratische Hürden, die die entwicklungspolitische Arbeit von NRO behindern. In unserem Beispiel beschreibt Brot für die Welt, wie Willkür und Gängelung die Arbeit der Partnerorganisationen erschweren.

2. Die politische Arbeit der NRO im Süden stärken

Projektarbeit, wie die Stärkung von Bildungseinrichtungen oder die Umsetzung von Gesundheitsstrategien, wird zunehmend um eine politische Komponente ergänzt. Oxfam erklärt die Logik dahinter: Um die strukturelle Benachteiligung von Farmarbeiterinnen in Südafrika zu bekämpfen, werden diese im Rahmen eines landwirtschaftlichen Projekts zur Existenzsicherung auch über ihre Arbeitsrechte aufgeklärt und darin unterstützt, sich zu organisieren und ihre Rechte einzufordern.

3. Neue Aufgaben – neue Finanzierungsmodelle

NRO im Süden sind zunehmend weniger auf die fachliche und finanzielle Unterstützung von Organisationen aus Industrieländern angewiesen. Die deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe gibt einen Einblick, wie sie auf die abnehmende Spendenbereitschaft in ihrem Feld reagiert und wie die Organisation an diesen neuen Herausforderungen auch wachsen kann.

4. Kooperationen mit der Privatwirtschaft

Mit der Suche nach neuen Geschäftsmodellen stellt sich für viele NRO vor allem die Frage nach einer Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft. Was ist dabei die Aufgabe der NRO? Südwind beschreibt, wie schwierig die Geradwanderung zwischen sinnvoller Zusammenarbeit und kritischer Kampagnenarbeit ist.

5. Verstärkt in Krisenregionen an der Seite der Menschen

Immer mehr Entwicklungsprojekte werden in Regionen durchgeführt, in denen Krieg, Gewalt und andere Risiken die Helferinnen und Helfer bedrohen. Gerade politische Krisen sind außerdem zunehmend komplex und vielschichtig. Die Christoffel Blindenmission hat deshalb in den vergangenen Jahren ein Sicherheitskonzept entwickelt, welches mittlerweile in allen Projektregionen umgesetzt wird.