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Weltweite Bestürzung über den Mord an Berta Cáceres

Die bekannte Indigena-, Umwelt- und Menschenrechtsaktivistin wurde am 3. März in Honduras ermordet. Sie war 2012 in Hamburg zu Besuch. Wir haben sie persönlich kennen und schätzen gelernt. Letztes Jahr hat das EWNW mit ihrer Tochter eine Veranstaltung im Hamburg im Rahmen der Anti-G7-Karawane mitorganisiert.

Update: Europäische Großinvestoren ziehen sich nach weiterem Mord aus Staudammprojekt Agua Zarca zurück: Mitstreiter von Berta Cáceres in Honduras ermordet. Siemens/Voith Hydro macht weiter. Wie lange noch?

 

 

 

 

Berta Cáceres
(Quelle: Hondurasdelegation)

 

 

Greifen sie eine*n an, greifen sie uns alle an!
Berta ist nicht gestorben, sie hat sich multipliziert!

Der Mord an Berta Cáceres, Koordinatorin des Zivilen Rats der Indigenen- und Basisorganisationen von Honduras (COPINH),  ist die Eskalation einer Reihe von kriminellen Strategien der Betreiberfirma DESA und der Regierung im Zusammenhang mit dem Bau des Staudammprojekt Agua Zarca im Südosten Honduras. Sie stehen exemplarisch für einen Staat, in dem Straffreiheit, Korruption und Menschenrechtsverletzungen seit Jahren in einem erschreckenden Ausmaß existieren.

Seit dem Baubeginn im Jahr 2012 wurde die gesamte Region zunehmend militarisiert. Militär, Polizei und die private Sicherheitsfirma von DESA arbeiten eng zusammen, bis dahin, dass DESA direkte Anweisungen an Polizei und Militär gibt. Der Direktor von DESA, David Castillo, wurde in der West Point Military Academy in den USA ausgebildet und arbeitete mehrere Jahre beim militärischen Geheimdienst.
Mit dem Mord an Berta Cáceres sind es fünf Staudammgegner*innen, denen der Konflikt das Leben gekostet hat und 7 Verletzte durch Angriffe von Firmenmitarbeitern und Militär. "DESA - Agua Zarca hat namentlich bekannte Kriminelle, die unter anderem für Morde verantwortlich gemacht werden, als paramilitärisches Sicher-heitspersonal unter Vertrag. Diese haben Führungspersonen der Gemeinden und Mitglieder von Copinh konstant bedroht und sind weiterhin bewaffnet" berichtet Copinh. Gleichzeitig startete das Unternehmen eine PR-Kampagne zugunsten des Projektes und gegen Copinh, die aus Geldern der holländischen Entwicklungsbank (FMO) finanziert und von der Beraterfirma „Monkey Forest Consulting“ gesteuert wurde.
Eine weitere Strategie der Betreiber sei die Spaltung der Gemeinden und die Schaffung sozialen Unfriedens. Den Berichten nach erhalten einige Bewohner täglich 200 Lempira (rund acht Euro) und sind mit Macheten bewaffnet zur Stelle, wenn wieder zu einem friedlichen Protest gegen Agua Zarca aufgerufen wird. (Quelle: http://hondurasdelegation.blogspot.com/)

Für die Gegner*innen des Wasserkraftwerkes geht es um die Verteidigung ihres Flusses, der für die Lencas heilig ist und in dem die Geister, die Seelen ihrer Kinder leben. Wie auch bei vielen anderen Megaprojekten wurde auch hier die Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation verletzt, da keine vorherige, freie und informierte Konsultation durchgeführt wurde. Laut Gesetz haben die Gemeinden das Anrecht, eine Kopie der Baupläne zu haben. DESA jedoch verweigert die Herausgabe der aktuellen Baupläne und so sind die Gemeinden auf Informationen einer Firma angewiesen, die von Beginn an gezielt Lügen verbreitet. Agua Zarca ist eines von insgesamt 41 Staudammprojekten auf dem Territorium Lenca.

Während sich die Betreiberfirma DESA damit brüstet, Honduras dabei zu helfen, grüne, saubere Energie zu generieren, drückt sie das Projekt mit aller Macht und Gewalt durch. Wie können sie davon reden, dass die Bevölkerung diesen sogenannten Fortschritt will, wenn die Firma Morde begeht oder veranlasst, um die Gemeinden zum Schweigen bringen? Wenn sie Polizei und Militär nutzen, um ihre Interessen durchzudrücken? Hinter dem Staudammprojekt Agua Zarca stehen nationale und internationale Interessen die großen Einfluss auf Politiker_innen und Medien in Honduras haben. Aus Deutschland sind die Unternehmen Siemens und das Joinventure VoithHydro an dem Staudamm beteiligt und liefern die Turbinen für das Projekt.

Für die Familie von Berta Cáceres, für Copinh, für zahlreiche nationale und internationale Organisationen ist klar, dass Berta ermordet wurde, weil sie die Zusammenhänge klar benannt hat, weil sie die Menschenrechtsverlet-zungen angeklagt hat, weil sie die Natur, die Kosmovision der Lencas konsequent verteidigt hat, weil sie die Proteste zusammengeführt hat, weil sie sich mit ihrem mutigen Widerstand gegen Bergbau- und Wasserkraft-projekte mächtige Feinde gemacht hat.  

Seit dem Mord an Berta Cáceres gab es zahlreiche internationale Solidaritätsbekundungen auch von Seiten diverser Botschaften u.a. durch den US-amerikanischen Botschafter, der finanzielle Unterstützung für die Aufklärung des Mordes angeboten hat. Eine konkretere Unterstützung wäre jedoch, wenn die USA damit aufhören würden, militärische Spezialeinsatzgruppen wie „los tigres“ auszubilden und sie deren Abzug aus der Region Río Blanco fordern würden.
Der honduranische Staat hingegen versucht vehement, eine absurde Theorie des Tathergangs zu konstruieren, in der mehrere Mitglieder von Copinh als Hauptverdächtige gehandelt werden. Nicht genug, dass Copinh mit Berta Cáceres eine wichtige, treibende Kraft genommen wurde, nein, die Opfer von permanenter Verfolgung und Repression werden auch noch zu Täter*innen gemacht. Dabei geht es nicht nur um das Ablenken der wahren Täter und Akteure im Hintergrund, die konsequent betriebene Diffamierung von Copinh sondern auch darum, durch die polizeilichen Ermittlungen und Verhöre Kraft, Energie und Zeit zu rauben, um nicht die Möglichkeit zu haben, sich zu organisieren. Zudem wird den Büros von Copinh und dem Radio comunitaria „Die Stimme der Lencas“ beinahe täglich für mehrere Stunden der Strom gesperrt und die Bedrohungen gegen Mitglieder von Copinh gehen weiter. In Honduras gibt es keine Sicherheit für die Menschen, die für das Leben kämpfen, die die Natur verteidigen, die die Wahrheit sagen, sie müssen um ihr Leben fürchten. Gegen 15 Mitglieder von Copinh wurden Morddrohungen ausgesprochen.

Gustavo Castro Soto von der mexikanischen Organisation „Otros Mundos Chiapas“ war zum Zeitpunkt des Mordes zusammen mit Berta Cáceres. Er hat glücklicher Weise überlebt und ist nun Hauptzeuge in den Ermittlungen. Durch die engen Verstrickungen von Politik, Militär, Polizei und Wirtschaft ist sein Leben in Honduras in großer Gefahr. Deshalb steht er zur Zeit unter dem Schutz des mexikanischen Konsulats und sollte am 6. März nach Mexiko gebracht werden. Er wurde jedoch auf dem Flughafen von den honduranischen Autoritäten der Migrationsbehörde gestoppt.

Damit der Tod von Berta Cáceres nicht zu einem weiteren Fall von Straflosigkeit wird, fordert Copinh, dass der Prozess von einem unabhängigen Tribunal außerhalb von Honduras verhandelt wird. Weitere dringende Forderungen sind die Sicherheit von Gustavo Castro Soto und der Mitglieder von Copinh sowie der Baustopp des Staudammprojektes Agua Zara und der Abzug der Firma DESA aus Honduras.
In vier bis fünf Monaten könnte der Bau abgeschlossen sein. Wenn DESA es schaffen sollte, wäre dies ein gefährliches Beispiel für viele andere Megaprojekte in Honduras und weltweit, dass es mit Gewalt, Korruption und  Straffreiheit möglich ist, die wirtschaftlichen Interessen durchzusetzen.

Um das zu verhindern, bedarf es in den nächsten Monaten einer breiten nationalen und internationalen Unterstützung. Es ist wichtig, die Lügen in den Medien sowie die Strategien der Firma und des Staatsapparates zu enthüllen und die Wahrheit zu verbreiten. Dies ist kein lokaler Kampf sondern ein Kampf gegen ein menschen-verachtendes System, dass ausschließlich seine wirtschaftlichen und politischen Interessen verfolgt. Es ist ein Kampf, den wir weltweit gemeinsam führen müssen.